Pixel 6: Der Google-Chip kommt – das neue SoC hätte sehr großes Potenzial, aber auch ein schweres Problem

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Das nächste Google Flaggschiff-Smartphone Pixel 6 wird aller Voraussicht nach nicht vor Herbst dieses Jahres auf den Markt kommen, wirft seine langen Schatten aber immer weiter voraus. Wie nun bekannt wurde, wird im Pixel 6 erstmals der neue Google SoC zu finden sein, mit dem man sich von Qualcomm & Co unabhängiger machen möchte. Doch wie stehen die Chancen für diesen großen Schritt?


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Google ist schon seit weit über einem Jahrzehnt im Smartphone-Geschäft tätig und hat nach zaghaften Anfängen mit den ersten Nexus-Smartphones immer mehr selbst das Ruder übernommen. Mit den Pixel-Smartphones löste man sich von der Sichtbarkeit der Produktionspartner, übernahm mehr Kontrolle und verbaute auch zunehmend selbst entworfene Hardware wie den Pixel Visual Core für die Kamera-Features sowie den Titan M-Chip. Mit dem eigenen Prozessor kommt nun der nächste große Schritt.

Schon seit längerer Zeit ist bekannt, dass Google unter dem Codenamen Whitechapel an einem eigenen Prozessor arbeitet und im Herbst 2021 könnte dieser für seinen großen Auftritt bereit sein. Den ersten Einsatz soll das Google SoC im Pixel 6 haben, langfristig könnte es dann aber auch in vielen weiteren Produkten von Chromebooks über Google TV-Geräte bis hin zu Smart Displays und anderen Kategorien zum Einsatz kommen. Auch beim Radarchip Soli hat die Geschichte in einem Pixel begonnen, bevor dieser nun in Smart Displays zum Schlaftracking eingesetzt wird.

Aber wie stehen die Chancen für den neuen Google-Chip, den man intern wohl als sehr großen Wurf ansieht? AndroidPolice hat sich mit einigen Experten unterhalten, die ihre Einschätzung zum Stand der Gerüchte und Leaks geben. Kleiner Disclaimer: Bislang gibt es nur sehr wenige handfeste Informationen und zum Teil basieren die Einschätzungen auf Leaks des vergangenen Jahres.


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pixel 4a ifixit teardown side

Google geht mit Whitechapel den Apple-Weg, denn der iPhone-Hersteller setzt schon seit vielen Jahren auf eigene Chips und kann somit die beste Kombination aus Hardware und Software liefern. Als Android-Entwickler stehen Google theoretisch die gleichen Möglichkeiten offen, die kein anderer Smartphone-Hersteller in diesem Umfang bieten oder nutzen könnte. Die Kombination Whitechapel – Pixel – Android könnte somit zu einer sehr starken Einheit werden, die ihre Vorteile endlich auch einmal ausspielt.

Performance

Technische Daten sind bisher nicht bekannt, genauso wenig wie die mögliche Taktfrequenz der ersten Google-Chips. Weil Google es aber im Pixel 6 erstmals einsetzen soll, wäre alles andere als eine mit Qualcomm vergleichbare Leistung kaum akzeptabel. Aus diesem Grund gehen Beobachter davon aus, dass Whitechapel aus dem Stand mit dem Snapdragon 765G konkurrieren könnte, aber der obersten Klasse der Snapdragon-Chips unterlegen sein wird. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein. Als gutes Zeichen hat Google gerade erst den Turbo beim Pixel 5 eingelegt.

Einen solchen Chip baut man selbst mit Googles Budget nicht über Nacht. Das weiß man auch in Mountain View und hat sich aus diesem Grund mit Samsung zusammengetan, bekanntlich einem der größten Chiphersteller und Komponenten-Lieferanten. Es wird davon ausgegangen, dass der erste Google-Chip auf den Exynos-SoCs von Samsung basieren oder zumindest sehr große Anleihen nehmen könnte. Im Laufe der Zeit ließe sich das zurückfahren, aber für den Beginn ist das sicherlich nicht die schlechteste Idee.

SoC mit Modem?

Dass der neue Chip 5G unterstützen wird, steht außer Frage. Ein Fragezeichen ist allerdings hinter dem integrierten Modem, denn selbst Apple hat dieses bisher nur zuliefern lassen und noch nicht selbst entworfen. Gut möglich, dass das bei Google anders sein wird und das Modem gleich im Paket mitgeliefert werden soll. Gerüchte gibt es vor allem aufgrund der in den USA sehr engen Verbindung zu Verizon, das das eigene mmWave 5G promotet. Bisher gibt es dieses allerdings nur von Qualcomm.

Gut möglich, dass sich Google noch nicht gleich dem großen Ganzen widmen wird, aber weil auch andere Komponenten integriert sein könnten, wäre es nicht ausgeschlossen.




Aussichten

Sollte Google tatsächlich ein eigenes SoC bauen, wäre der wichtigste Flaschenhals für längere Updates erst einmal entschärft. Wenn Google selbst die Updates für die Hardware liefert und nicht auf die Zulieferer angewiesen ist, wären auch vier bis fünf Jahren Android-Updates drin. Aus Sicht eines Smartphone-Herstellers mag das eher kontraproduktiv erscheinen, wenn die Nutzer die Geräte länger nutzen können, aber wie man am Beispiel Apple sieht, funktioniert das ganz hervorragend. Und dabei geht es nicht nur um Smartphones:

Thoughtful integration of hardware and software makes longitudinal support of both easier, and Whitechapel could be a means to that end. As a platform, this could also benefit devices with longer expected lifespans, such as Android-powered TVs.

$$$

Ein großes Problem könnte auch die Refinanzierung des Google-Chips sein. Die Entwicklung eines eigenen SoC verschlingt ein Haufen Geld und lohnt sich erst bei großen Stückzahlen. Doch genau diese kann Google nicht bieten, denn auch in der fünften Generation sind die Pixel noch in der Nische und verkaufen nur wenige Millionen Einheiten. Während eine solche In-House-Entwicklung eigentlich zu niedrigeren Preisen führen könnte, könnte es bei den Pixel genau andersherum sein. Sicherlich hat Google genügend Kapital, aber langfristig muss sich eine solche Entwicklung natürlich rentieren und durch den Verkauf der Produkte decken.

Weil Google die Pixel bisher nicht in den Massenmarkt bringen konnte, wäre eine Öffnung der Whitechapel-Plattform denkbar. Wie so etwas aussehen könnte, ist allerdings völlig unklar. In Konkurrenz zu Qualcomm, Mediatek & Co wird man wohl kaum gehen können. Die Beobachter halten es auch für möglich, dass Google das Projekt bei Nicht-Erfolg schon nach einigen Jahren wieder einstampfen könnte. Wäre auch keine Überraschung…

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[AndroidPolice]


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comment 2 Kommentare zum Thema "Pixel 6: Der Google-Chip kommt – das neue SoC hätte sehr großes Potenzial, aber auch ein schweres Problem"

  • Apple-Nutzer: Ich kaufe iPhones, weil ich da 5 Jahre Updates bekomme!

    Auch Apple-Nutzer: Wechselt sein Gerät nach spätestens 2 Jahren.

  • Deswegen vertraue ich Apple ,aber nicht nur wegen der eigenen Hardware und langen Support Dauer,nein auch wegen meinen Daten,die dort wenigstens nicht getrackt werden ,von alles und jedem.

    Ich würde es begrüßen wenn Google endlich umdenkt und den Schritt in die richtige Richtung macht .

Kommentare sind geschlossen.