Android Auto: Googles Infotainment-System soll viel zu gefährlich sein – ablenkender als Alkohol & Drogen

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In immer mehr Fahrzeugen finden sich Infotainment-Systeme, die sowohl Fahrer als auch Beifahrer informieren aber auch zugleich bespaßen sollen – denn auch das Autofahren ist längst ’smart‘ geworden. Eine neue Studie kommt nun zu dem Schluss, dass die Nutzung von Googles Android Auto oder Apples CarPlay während der Fahrt hochgradig gefährlich ist und den Fahrer sehr stark ablenken kann. Das dürfte zwar niemanden überraschen, aber der ermittelte Grad der Ablenkung ist doch erschreckend hoch.


Ein Infotainment-System gehört für viele Autofahrer mittlerweile zum Standard und geht längst über die integrierte Navigation sowie das Abspielen von Musik und Radio hinaus. Die meisten Fahrer dürften das in der Mitte der Armaturen platzierte Tablet wohl mit Googles Android Auto oder Apples CarPlay aufrüsten und sich somit auch die Sprachassistenten Google Assistant, Siri oder vielleicht auch Amazons Alexa ins Auto holen. Diese sollten dann aber natürlich auch genutzt werden.

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Autofahren erfordert die volle Konzentration vom Fahrer, das sollte hoffentlich jedem bekannt sein. Jede Ablenkung entzieht dem Fahrer ein Stück dieser Aufmerksamkeit, was die Reaktionszeit zum Teil erheblich verlängern kann. Eine neue Studie hat nun herausgefunden, dass ausgerechnet die etablierten Infotainment-Systeme für die größte Ablenkung sorgen und somit ein hohes Risiko darstellen können. Schaut euch dazu einfach einmal folgende Statistik an, die im Rahmen der Studie veröffentlicht wurde.

fahrer reaktionszeit

Die Statistik gibt an, um wie viel Prozent sich die Reaktionszeit des Fahrers verlängert. Von all den Beispielen ist tatsächlich das Fahren unter Alkoholeinfluss (im legalen Rahmen) am ungefährlichsten. Die Nutzung von Android Auto und Apple CarPlay, egal ob per Sprachassistent oder Touchscreen, findet sich deutlich weiter unten in der Statistik und ist zum Teil gefährlicher als das Telefonieren, Nachrichten schreiben oder sogar Fahren unter Cannabis-Einfluss.



android auto visiblezone

Natürlich kann die Studie diese Statistik auch begründen: Messungen haben ergeben, dass jede Aktion auf den beiden etablierten Infotainment-Plattformen 11 bis 16 Sekunden benötigt. Natürlich wird der Fahrer während dieser Zeit immer wieder mal ein Blick auf die Straße werfen, doch die volle Aufmerksamkeit und Konzentration ist während dieses Zeitraums nicht gegeben. Dieser Zeitraum bezieht sich allerdings darauf, dass der Fahrer den Touchscreen verwendet. Die Nutzung der Sprachassistenten kann zwar auch problematisch sein, lenkt dann aber doch deutlich weniger ab.

Kritisiert wird, dass die Oberflächen von Android Auto und CarPlay zu kompliziert sind und den Fahrer zu lange ablenken. Um das zu verhindern, fordert die Studie ein automatisches Deaktivieren des Touchscreens während der Fahrt. Dieser sollte erst mit angezogener Handbremse wieder aktiviert werden können. Sobald sich das Auto in Bewegung befindet, sollen nur Inhalte angezeigt werden oder die Sprachassistenten zur Verfügung stehen.

Die Ergebnisse der Studie untermauern diese Forderungen und mit Sicherheit dürfte es dafür sorgen, dass sich der eine oder andere Unfall verhindern lässt. Weil aber auch die Sprachassistenten für eine nicht unerhebliche Ablenkung sorgen, wie die Studie ebenfalls herausgefunden hat, ist deren weitere Nutzung während der Fahrt ebenfalls zu überdenken. Schlussendlich muss man aber wohl eher an die Verantwortung der Fahrer appellieren.

Wer bei voller Fahrt auf dem Touchscreen spielen möchte, sollte vielleicht eher auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Ein automatisches Abschalten des Touchscreens würde wohl eher dazu führen, dass die Fahrer wieder ihr Smartphone in die Hand nehmen und sich die Situation damit sogar noch verschlimmert. Auf den Infotainment-Displays ist der Funktionsumfang bereits sehr stark eingeschränkt, weil die Entwickler sehr genau wissen, dass viele Fahrer während der Fahrt darauf herumtippen.



Sowohl Google als auch Apple sind sich diesem Problem bewusst und wirken diesem durch zwei Lösungen entgegen: Zum einen natürlich die Sprachassistenten, die praktisch alle Funktionen per Sprachbefehl steuern können und zum anderen die Unterstützung des Head-Up-Display, das die Informationen direkt auf die Windschutzscheibe projizieren kann. Auch dabei verfällt der Fahrer dann möglicherweise in einen Tunnelblick, was aber noch immer weit besser ist, als wenn der Blick komplett von der Straße weicht.

Die beste Lösung wären Touchscreens mit einem sehr starken haptischen Feedback, sodass der Fahrer auch ohne Blick auf das Display viele Funktionen steuern kann. Technisch ist das aber derzeit noch sehr schwierig und dürfte wohl auch niemals vollständig umsetzbar sein. Die Lösung kann also wohl nur eine Kombination aus vielen Dingen sein: Sprachassistenten, verbesserte Oberflächen, haptisches Feedback, Head-Up-Display, ein Stück weit Fahrassistenten und am wichtigsten die Verantwortung des Fahrers.

Die vollständige Studie mit vielen Details (über 50 Seiten) findet ihr in dieser PDF-Datei. Ist wirklich sehr interessant, begründet viele Ergebnisse und liefert Forderungen sowie Lösungsmöglichkeiten. Schlussendlich wird es aber wohl keine Lösung geben können, denn wie einleitend bereits erwähnt, erfordert Autofahren die volle Konzentration. Alles was der Fahrer nebenbei erledigen kann, lenkt ab. Das lässt sich erst mit vollständig autonomen Fahrzeugen umgehen, die nicht auf die Kontrolle durch den Fahrer angewiesen sind.


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[IAM RoadSmart]


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comment 3 Kommentare zum Thema "Android Auto: Googles Infotainment-System soll viel zu gefährlich sein – ablenkender als Alkohol & Drogen"

  • Hier fehlt der Vergleich zu den Lösungen der Fahrzeughersteller. VW und andere verbauen ja noch extrem viel komplizierter zu bedienende Systeme in Ihren Fahrzeugen. Die Statistik ist also völlig wertlos.

    • Ja, der Frage schließe ich mich an. Dass diese Touch-basierenden Lösungen ablenken ist keine Überraschung. Dass dies schlimmer ist als Alkohol eine überraschende aber leider wohl noch nicht an den richtigen Stellen angelangte Erkenntnis. Zeigt mir aber die Dringlichkeit diese Thematik mal genauer zu durchleuchten und auch auf bestehende Herstellerlösungen auszuweiten!!

  • Die Ablenkung entsteht aus meiner Erfahrung heraus durch dienstandige Displaysperre in der Musikauswahl und die nicht funktionierende Sprachsteuerung aufgrund der schlechten Mobilfunknetz Abdeckung.
    Konstellation: Opel Insignia Sports Tourer B mit Intellilink Infotainment System und Galaxy S10

Kommentare sind geschlossen.