Die nächste wahnsinnige Idee: EU-Kommissarin will Google-Produkte verbieten & alle Daten freigeben

google 

Die EU hat in den vergangenen Monaten sehr eindrucksvoll gezeigt, dass sie mit der digitalen Welt so ihre Probleme hat und sich nur dadurch zu helfen weiß, die Spatzen mit Kanonen abzuschießen. Jetzt hat die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager in einem Interview schon wieder den nächsten Irrsinn angekündigt, mit dem man Google & Co. endgültig in die Schranken weisen will: Viele Produkte sollen einfach verboten werden.


Erst vor wenigen Stunden wurde die EU-Urheberrechtsreform durchgewunken und das Internet damit ordentlich angeknackst. Aber auch die Konzerne stehen seit Jahren auf der internen Abschussliste und Google hat nach 2017 und 2018 auch in diesem Jahr schon wieder eine Milliardenstrafe ausgefasst. Aber das reicht offenbar noch nicht, denn bisher wurde nur zielgerichtet gefeuert, während wohl schon bald die streuende Schrotflinte herausgeholt wird.

google eu logo

Vor zwei Jahren wurde Google wegen der Produktsuche zu einer Milliardenstrafe verdonnert und erst in der vergangenen Woche hat der Axel Springer-Verlag Google auf 500 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt, da sich aus deren Sicht trotz Änderungen nichts getan hat. Ob es nun damit zusammenhängt oder nicht lässt sich schwer sagen, aber die Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager will die vielen „Verstöße“ zum Anlass nehmen, viele Google-Produkte einfach zu verbieten.

Die Kommissarin fordert ein radikales Vorgehen und will mit den Maßnahmen verhindern, dass die Konzerne die europäische Konkurrenz gezielt kleinhalten.

Der Konzern muss sich auf sein Suchmaschinengeschäft konzentrieren und darf keine Reiseportale oder Preisvergleichsdienste mehr betreiben.

Zuerst war noch die Rede davon, dass die Google-Produkte nicht in der Websuche integriert sein dürfen, doch nun möchte man sogar eine ganze Reihe von Produkten einfach verbieten. Google solle sich also auf das Kerngeschäft Websuche konzentrieren und keine weiteren verwandten Dienste anbieten, die auch von der Konkurrenz über die Websuche zu finden sind. Doch wohin soll das führen?



Man muss sich natürlich fragen, welche Dienste als Nebenprodukte gesehen werden müssen. Muss GMail eingestellt werden, damit es GMX gut geht? Ist Google Drive Geschichte weil Dropbox zu wenige Neukunden sammelt? Gut, auf das Messenger-Geschäft kann Google verzichten, aber auch der dortige Dominator Facebook ist längst im Fadenkreuz der EU-Wettbewerbskommissarin. Fraglich ist auch, auf welcher Grundlage so ein Verbot umgesetzt werden soll.

Vielleicht muss es aber nicht gleich die große Einstellungswelle werden, denn Vestager kann sich alternativ auch vorstellen, dass die Konzerne alle ihre Daten für dritte freigeben müssen. Das ist zwar deren Geschäftsgrundlage und mittlerweile auch von der DSGVO geregelt, aber die Idee stellt man trotzdem einfach mal in den Raum. Warum die europäischen „besser“ sein sollen, dürfte die Kommissarin wohl nicht erklären können.

Dann könnte ein neuer, besserer Algorithmus auf Grundlage all der gesammelten Daten bessere Ergebnisse erzielen und den alten Algorithmus verdrängen.

Aktuell sind das nur Aussagen aus einem Interview, doch Vestager und ihr Team arbeiten aktuell an solchen Ideen und möchten diese nun breit diskutieren und gegen Ende des Jahres konkrete Vorschläge unterbreiten. Es kann also wieder mal sehr schnell ernst werden und irgendwann muss man sich dann tatsächlich fragen, warum sich die großen US-Internetkonzerne nicht einfach aus der EU zurückziehen. Und dann wird man sehen, was man ihnen hat(te).

» Das Interview (Paywall)

Siehe auch
» EU-Urheberrechtsreform und Uploadfilter sind endgültig beschlossen: So wurde abgestimmt & das sind die Folgen

» Idealo: Preisvergleichseite des Axel-Springer-Verlag verklagt Google auf 500 Millionen Euro Schadenersatz

[futurezone]


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comment 12 Kommentare zum Thema "Die nächste wahnsinnige Idee: EU-Kommissarin will Google-Produkte verbieten & alle Daten freigeben"

  • Ich glaub ich wandere echt demnächst aus, wtf. Leben wir in der EU oder in China? Ich bin an sich EU-Befürworter, langsam zweifele ich jedoch an den Leuten die dort sitzen und derartige Entscheidungen treffen.

  • Zerschlagen kann ich verstehen, gerade auf Plattformen sollten man nicht gleichzeitig Anbieter und Betreiber sein. Dies geht in die gleiche Richtung wie Elizabeth Warren in den USA vorschlägt. Aber den Betrieb bestimmter Dienste komplett verbieten ist abenteuerlich.

    Wie gut, dass dieses Qualitätsinterview nur von zahlenden Kunden gelesen werden kann, so informiert sich der Rest bei der Nichtqualitätspresse über das was die Kommissarin gesagt haben soll.

  • Ab 23. Mai ist Europawahl. Dann haben wie es in der Hand die Verantwortlichen für das Desaster nach Haus zu schicken. Schaut Euch an, wer wie abgestimmt hat und dann geht wählen.

    • So etwas Dämliches! Es gibt keine Beschlüsse auf europäischem Niveau ohne die Beteiligung europäischer Fachminister! Und die werden gewählt. Ich kann dieses blöde Lamento gegen die EU nicht mehr hören. Wie wäre es mit ein wenig politischer Bildung?? Und die ganze Materie ist vielleicht auch ein bisschen zu kompliziert für Spatzengehirne.

  • Ist das nun ein persönlicher Kommentar dieser sogenannte Artikel? Ein sachlicher objektiver journalistischer Artikel ist das jedenfalls nicht.

    Anscheinend ist man auch nur auf Krawall und Clickbait gebürstet.

    Und die bisherigen Kommentare sind meist auch nur von Trollen. Denken die eigentlich mal vorher mal nach bevor man Unsinn schreibt?

  • @Jens Naja sich aus der EU zurück zu ziehen ist nicht so leicht denn hier sitzen viele Google Kunden ,das wäre ein Verlust für die Firma,hin und wieder mal ein paar Milliarden als Strafe zu zahlen ist also eine bessere Idee.

    Ich stimme die meisten zu, die EU hat erkannt das sie keine Innovationskraft haben bzw die neuen Produkte und Technologien aus den USA kommt und wenn doch aus der EU dann nicht mal aus Deutschland,siehe Apple,Google,Facebook,Uber,Airbnb,Alibaba,Tencent,Snapchat,Spotify usw. Die denken die einzige Möglichkeit aufzuholen ist, Innovation die von außerhalb kommt einzuschränken oder gar ganz zu verbieten.Wenn es so weiter geht könnte ich mir vorstellen das sie in ein paar Jahren vor haben Waymo (Tochter firma von Alphabet) einzuschränken nur damit Firmen wie Daimler , Volvo, VW oder BMW bessere Karten haben.

    Ich habe diese Diskussionen, Artikeln,Interviews und Dokus über solche Themen mehrmals gesehen und gehört und hab schon verstanden was das große Problem in Europa vorallem Deutschland ist, immer wenn man über Innovation redet muss man zuerst bei der Privatsphäre und Datenschutz anfangen bevor man irgend eine Zeile Code schreibt und das ist total falsch. Heute gäbe es kein facebook oder google oder whatsapp wenn man sich zuerst über die Privatsphäre unterhalten würde.Solange die EU das nicht abschaltet und sich erst mal auf die Ideen und die Gründung von Startups konzentriert wird das nix.Außerdem muss z.b Deutschland ,neue Technologien viel ernster nehmen. Ich meine letztens kam heraus das die Regierung 3 Milliarden in KI investieren will, soll das ein witz sein ?! Apples neues HQ Gebäude allein hat um die 4 oder 5 Milliarden gekostet. China hat auch letztens irgendwas von 20 oder 30 Milliarden erzählt ,da sind die 3 Milliarden nix .Schon klar das man China nicht mit Deutschland vergleichen kann ich meine nur das man auch wissen muss in welchem Umfang man investieren muss damit das Land als Innovationskraft heraus kommt.

    Aber wie es aussieht wird die EU nie dazu lernen bei all dem was gerade so in der Tech Welt so los ist

  • Ich bin zwar Schweizer, aber ich hasse diese EU, obschon ich damals als die Schweiz nicht in die EU wollte das nicht verstanden habe. Heute bin ich froh darüber. Obschon, das traurige ist ja, auch wenn wir Schweizer nicht in der EU sind, betrifft uns dieser ganze Rotz trotzdem und so wird auch bei uns Artikel11/13/17 seine Spuren hinterlassen und das kotzt mich einfach an! Was Maasen sich diese Sesselpupser eigentlich an das Netz regulieren zu wollen !

  • Im Mai sind Wahlen. Ja, da muss das Kreuz an die richtige Stelle. Nur was nützt dies, wenn, wie in DE die gewählten Volksvertreter(?) lieber nach der Lobby entscheiden, statt nach Volkes Willen? Also wieder für die Katz´das ganze. Dazu kommt, vorrangig viele Europäer regen sich über den Protektionismus á la Trump auf und starten dabei jetzt genauso durch?! Wer im Glashaus sitzt…
    Was sollen wir mit einer EU, die uns vorschreibt welche Programme, Apps oder Dienstleistungen wir benutzen dürfen oder sollen? Alle reden die Globalisierung herbei. Dann ist sie da und es ist falsch sie zu nutzen. Oder dürfen dies nur wieder europäische Unternehmen, nicht aber der „unmündige, dumme“ Bürger? Das wäre ja nach dem Geschmack eines Herrn „Vollpfosten“ Voss. #Neuland.

  • Eines ist mal sicher, dieser Herr „Vollpfosten“ Axel Voss wird seines Lebens nicht mehr froh werden. Jetzt da die Richtlinie endgültig beschlossen ist werden die Drohungen / Kritik an ihm nicht abnehmen. Im Gegenteil!

    Und spätestens bei der nächsten Europawahl, wenn mehr junge Leute wählen gehen dürfen, werden die Herren Politiker dort schon sehen, was sie verbrochen haben. Aber gut…

    Aktuell gilt ja die Umsetzungsfrist von 2 Jahren und obwohl Deutschland im EU Rat dafür gestimmt hat, haben sie eine Erklärung dazu abgegeben. Frei nach dem Prinzip „Ja, ABER …“

    FAKT ist, so wie es sich die Bundesrepublik Deutschland vorstellt wird es eh nicht umsetzbar sein. Und wenn Uploadfilter tatsächlich eingesetzt werden müssen, wird es hier in Deutschland zu Neuwahlen kommen (Vertragsbruch der Großen Koalition), denn die Uploadfilter werden im Koalitionsvertrag als unverhältnismäßig beschrieben und daher abgelehnt.

    Und allerspätestens wenn die großen Streaming Portale dazu übergehen, Nutzer aus der EU komplett auszuschließen, also sowohl verbieten Streams zu sehen als auch selbst zu streamen wird hier der Aufschrei gleich nochmal größer. Denn viele verdienen damit ihr Geld.

    UND dazu kommt ja noch, dass ab einer gewissen Reichweite ja die Rundfunklizenz fällig wird. Wenn hier in Deutschland das Streaming über solche Portale nicht mehr möglich ist, ist auch die Lizenz hinfällig… Und das bedeutet im Umkehrschluss auch kein Geld…

    Wie man es dreht und wendet, Verlage, Behörden etc. schneiden sich ins eigene Fleisch! Nur sind alle zu Dumm genau das zu erkennen. Manchmal braucht es dann tatsächlich den Schlaghammer ins Gesicht, damit die Herrschaften wieder klar sehen.

    Ich warte jetzt erstmal ab, was in der nächsten Zeit alles passieren wird und wage folgende Behauptung: In den kommenden zwei Jahren wird Deutschland nicht das einzige Land sein, in dem die Richtlinie nicht oder nicht komplett umgesetzt ist! (Alleine schon, wenn man sich Start-Ups anschaut im Bezug auf das „neue“ Urheberrecht).

    Im Endeffekt haben wir statt mehr Klarheit mehr Chaos und das werden die Herren Politiker auch irgendwann sehen / erkennen. Und dann hagelt es erstmal Kritik und der Text wird – erneut – angepasst werden…

    Stichwort Europawahl: Ich finde es sehr bemerkenswert, dass die SPD GESCHLOSSEN GEGEN die Richtlinie gestimmt hat, was für mich nicht heißt, die auch zu wählen. Nachdem Frau Reda die Piratenpartei verlassen und gebeten hat, eben die Piraten nicht zu wählen, fallen leider auch die Piraten flach (sonst wären sie meine Wahl gewesen). Bleibt also nur ein kleineres Übel zu wählen… Grüne evtl… Aber das entscheide ich tatsächlich nach dem vorliegendem Abstimmungsergebnis zur Urheberrechts-Richtlinie.

    Und zur Not gibt es immernoch die Möglichkeit via VPN Tunnel der „Sperre“ zu entgehen 😉

  • Es driftet immer schneller und tiefer in Richtung Kommunismus.
    Diese Umstände werde ich bei sämtlichen kommenden Wahlen berücksichtigen.

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