Double Irish & Dutch Sandwich: Google-Mutter Alphabet hat 2017 mehr als 4 Milliarden Dollar Steuern gespart

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Praktisch alle großen globalen Konzerne nutzen jedes Steuerschlupfloch, das die einzelnen Staaten offen lassen. Das wohl bekannteste – und seit Jahren auch am kontroversesten diskutierte – ist das sogenannte „Double Irish“ und „Dutch Sandwich“. Auch Google bzw. die Muttergesellschaft Alphabet nutzt dieses Schlupfloch seit vielen Jahren und spart dabei Unmengen an Geld. Ein aktueller Finanzbericht zeigt nun, wie viel Geld das Unternehmen durch diesen kleinen Trick tatsächlich einsparen konnte.


Die großen Konzerne werden vielfach für die Nutzung von Steuerschlupflöchern kritisiert, würden sich gegenüber ihren Aktionären aber genau so erklären müssen, wenn sie eben diese nicht nutzen würden. Da das hier genutzte Steuerschlupfloch noch bis 2020 „legal“ nutzbar ist, werden die Unternehmen dies auch weiterhin ausnutzen. Bei den riesigen Umsätzen der globalen Konzerne kommen dabei natürlich enorme Summen heraus, die über die weltweiten Konten geschoben werden.

Dagobert Duck Geldspeicher

Wie aus einem Bericht der niederländischen Handelskammer vorgeht, hat Alphabet auch im Jahr 2017 wieder sehr viel Geld gespart, in dem Einnahmen einfach am Fiskus vorbeigeschleust wurde. Das funktioniert durch ein kompliziertes Geflecht, das am Ende des Artikels genauer aufgeschlüsselt ist. Im Jahr 2017 wurden bei einem Jahresumsatz von über 110 Milliarden Dollar ganze 23 Milliarden Dollar über dieses System geschleust. Daraus ergibt sich, dass das Unternehmen in etwa 4,4 Milliarden Dollar Steuern gespart hat.

Im Jahr zuvor wurden 3,7 Milliarden Dollar eingespart und selbst im Jahr 2015 waren es schon 3,6 Milliarden Dollar. Das war aber noch längst nicht alles, denn das sind nur die Ersparnisse in Europa. Im asiatischen Raum hat Google ein ähnliches Konstrukt aufgebaut: Dort werden alle Asia-Pacific Umsätze nach Singapur gebracht, wo die Steuerlast sehr viel geringer ist als in den anderen Ländern. Wie viel dort eingespart wurde ist nicht bekannt, aber auch hier dürfte die eine oder andere Milliarde im Geldspeicher liegen, die eigentlich dem Finanzamt gehört.

Lange geht das bekanntlich nicht mehr so weiter, denn dem Steuertrick wurde bereits ein Riegel vorgeschoben und das System darf nur noch bis 2020 genutzt werden – und bis dahin noch einmal die eine oder andere Milliarde eingespart werden.



So funktioniert Googles Steuertrick

– Der Verkauf von Anzeigen in einem EU-Land läuft über Google Ireland Limited
– Daraus ergibt sich, dass die Google Niederlassung kaum einen Umsatz erwirtschaftet und wenig Steuern zahlen muss
– Ein Großteil des von Google Ireland Limited erwirtschaftete Geld wird an Google Ireland Holdings abgeführt, welches seinen Sitz auf den Bermudas (Steuerfreiheit) hat
– Da Google für diese Transaktion hohe Steuern zahlen müsste, nimmt das Geld einen weiteren Umweg über die Niederlande
– Google Ireland Limited zahlt das Geld an Google Netherlands Holding, dessen einzige Aufgabe es ist, den Mittelsmann zu spielen
– Google Netherlands Holding überweist das Geld an Google Ireland Holdings (Sitz in den Bermudas) und dort bleibt es dann
– Da für die Transaktion von Bermudas -> USA wieder eine Steuer fällig wäre, wird das Geld einfach in den Bermudas steuerfrei geparkt

Jetzt liegt das Geld in den Bermudas – und das ist ein großer Teil von Googles hohen Barreserven, die mittlerweile mehr als 100 Milliarden Dollar betragen. Von dort kann es nun schon bald sehr viel leichter geholt werden, da US-Präsident Donald Trump eine Möglichkeit geschaffen hat, das Geld mit einer geringen Steuerlast in die USA zu holen – und dort dann auch verwenden zu können.

Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass sich die internen Strukturen bei Google ändern und das zuständige Unternehmen für alle europäischen Nutzer in wenigen Wochen ändern wird. Begründet wird dies mit einer besseren Umsetzbarkeit der DSGVO, ob sich dadurch auch neue finanzielle Vorteile ergeben könnten, lässt sich nur schwer bewerten.

» Google / Alphabet Quartalszahlen in der Übersicht

[Kurier.at]


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