‚Android‘ muss weichen: Googles Abschied von der Marke (und der Plattform) wird immer deutlicher

android 

Es ist eine merkwürdige Situation: Android ist seit Jahren nicht nur das dominierende Smartphone-Betriebssystem, sondern auch das am häufigsten verwendete Betriebssystem über alle Plattformen hinweg überhaupt. Dennoch gibt es immer wieder Diskussionen über das Ende von Android als Marke oder auch als Plattform. Auch in dieser Woche gab es erneut drei Hinweise darauf, dass die Tage der Marke „Android“, aber auch der Plattform gezählt sind. Überraschenderweise wäre das aber gar keine so große Sache, wie man eigentlich denken würde.


Wir haben hier im Blog schon häufiger über das Ende von Android berichtet, das wohl in diesem Jahr auch Google-intern beschlossen worden sein könnte – und dafür gibt es auch sehr gute Gründe. Für Hintergründe über diese Spekulation und die vielen handfesten Hinweise darauf, schaut euch folgende Artikel an:

android dead

In dieser Woche gab es erneut einige Indizien dafür, dass es mit Android in der aktuellen Form zu Ende geht. Und das betrifft nicht nur die Marke, sondern wohl auch die gesamte Struktur des Betriebssystems, das sich in einer Sackgasse befindet, aus der es nicht mehr herausfinden kann. Natürlich spricht Google nicht darüber – was aber auch daran liegt, dass man derzeit überhaupt nicht mehr von Android spricht und die Marke langsam aber sicher totschweigt.

Das erste Indiz war der Wechsel von Messages zu google.com, denn bisher wurde die Web-App unter der Domain android.com betrieben. Das wäre nur ein unwichtiges Detail, doch eine solche Änderung nur ein halbes Jahr nach dem Start vorzunehmen, ist schon seltsam und zeugt von einer gewissen Planlosigkeit. Das zweite Indiz ist die kommende neue Oberfläche vom Nachfolger Fuchsia, das im Jahr 2019 vor dem großen Durchstarten steht und das Erbe schneller als gedacht antreten könnte.

Das dritte Indiz ist fast das Wichtigste: Das Update-Versprechen von Android One wurde entfernt. Obwohl es das Hauptargument für dieses Betriebssystem ist, hat man es ohne Ankündigung gestrichen. Natürlich lässt sich ein solches Versprechen nicht aufrechterhalten, wenn die Plattform in zwei Jahren schon gar nicht mehr unter dieser Bezeichnung existiert.



Ob Android wirklich ersetzt werden muss, sieht sicher jeder etwas anders, aber Google hat sich nun einmal recht eindeutig DAFÜR entschieden und arbeitet seit langer Zeit an Fuchsia. Natürlich haben sich die Strategen dann auch schon frühzeitig Gedanken über die Übergangsphase gemacht, die vielleicht schon vor längerer Zeit eingeleitet wurde, ohne dass es jemand bemerkt hat. Und genau darin liegt das Geheimnis, dass der Wechsel vielleicht gar keine großen Folgen haben wird bzw. kaum wahrgenommen wird. Alles natürlich komplett oberflächlich betrachtet.

Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter darüber spekulieren, OB Android verschwinden wird oder WANN es eingestellt wird, sondern viel mehr die Folgen beleuchten. Die Einstellung eines solch extrem weit verbreiteten Betriebssystems hat schließlich große Auswirkungen auf die Nutzer, auf die Entwickler, auf die Hardwarepartner, eine ganze Industrie und dem endlosen anhängenden Rattenschwanz. Eigentlich.

Nutzer
Nutzer sind es gewohnt, dass sich Oberflächen immer wieder mal leicht ändern und modernisiert werden, sodass auch der Wechsel zur (wahrscheinlich) moderneren Fuchsia-Oberfläche kaum jemandem wirklich auffallen könnte. Vieles wird an anderer Stelle zu finden sein, aber der normale Smartphone-Alltag könnte trotz der vielfältigen Fuchsia-Möglichkeiten durch eine angepasste Oberfläche sicher doch recht leicht umgesetzt werden. Da auch die klassischen Apps nutzbar sind, ändert sich erstmal nichts, sondern es kommen nur neue Möglichkeiten dazu.

Entwickler
Da die für Android entwickelten Apps auch unter Fuchsia laufen werden, können sich die Entwickler von allen bestehenden Projekten zurücklehnen. Zukünftig sind die Entwickler dann wohl gut beraten, wenn sie auf Flutter setzen und somit ganz ohne Mehraufwand für mehrere mobile Plattformen gleichzeitig entwickeln. Auf Systemebene dürfte es sehr viele Änderungen geben, aber die grundlegende Entwicklung von Apps und Oberflächen sollte keine großen Umstellungen mit sich bringen.

Smartphone-Hersteller
Sollten die Hersteller weiterhin an einem Google-Betriebssystem festhalten wollen, was sehr wahrscheinlich ist, installieren sie eben Fuchsia statt Android. Im Hintergrund wird es wohl viele Änderungen bei der Lizenz und den Verpflichtungen geben, aber grundlegend sehen die Geräte gleich aus, um das Betriebssystem kümmert sich Google und die Nutzer werden es auch weiterhin kaufen. Da schon heute kaum ein Hersteller mit der Marke Android wirbt, gibt es selbst an dieser Stelle keine nennenswerten Auswirkungen.



Dass die Marke „Android“ verschwindet, ist dann vielleicht noch die größte Auswirkung, die man zu spüren bekommt. Doch da Google schon seit längerer Zeit alles auf die Marke „Google“ umstellt, könnten auch die Betriebssysteme eines Tages davon betroffen sein. Die Umbenennung von Android Wear zu „Wear OS by Google“ dürfte ein Testballon gewesen sein, dessen Erkenntnisse auf die anderen Plattformen übertragen werden. So wäre es keine große Überraschung, wenn schon bald von „Android by Google“ und dann im nächsten Schritt nur noch von „Google OS“ die Rede ist. Und an diesem Punkt ist es dann völlig egal, welches Betriebssystem damit gemeint ist.

Die Angleichung der Oberflächen von Android, Chrome OS und Web ist längst geschehen und wenn auch der Nachfolger Fuchsia in diese Kerbe schlägt, was sehr wahrscheinlich ist, dann braucht es eben nur noch eine einzige Plattform, einen einzigen Namen sowie den einheitlichen Markenauftritt. Welches Betriebssystem darunter ausgeführt wird, interessiert den durchschnittlichen Nutzer sowieso nicht, Hauptsache alle Apps sind nutzbar.

Ich lehne mich einfach mal weit aus dem Fenster und prognostiziere folgenden Ablauf:

  1. Mai 2019: Fuchsia wird offiziell vorgestellt und interessierten Testen zum Download angeboten
  2. August 2019: Das letzte Android wird als „Android by Google“ veröffentlicht (Android Q fällt aus)
  3. Oktober 2019: Das Pixel 4 wird sowohl als Android- als auch als Fuchsia-Version angeboten
  4. Mai 2020: Google kündigt „Google OS“ als einziges Betriebssystem an
  5. August 2020: Android, Chrome OS und auch Fuchsia verschwinden als Marken
  6. Oktober 2020: Es werden nur noch Geräte mit Google OS angeboten

UPDATE: So schnell kanns gehen

Fuchsia: Dragonglass, Dugonglass & Flamingo – neue UIs für einen Inkognito-Start des Betriebssystems?

Silvester: Bunte Elefanten-Party im Google Doodle zum Jahreswechsel 2018 /2019


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comment 4 Kommentare zum Thema "‚Android‘ muss weichen: Googles Abschied von der Marke (und der Plattform) wird immer deutlicher"

  • Ich fürchte, dann wird es auch noch ein Android by Samsung, ein Android by Huawei, ein Android by LG, usw. geben. Solange der Nutzer nicht weiß, welchen Vorteil er von Fuchsia hat, bleibt er doch lieber beim Bekannten und Bewährten. Und das werden die Hersteller ausnutzen, statt sich noch mehr von Google abhängig zu machen.

    Google wird mit Fuchsia wesentlich mehr Neuerungen bringen müssen als mit einem Android Q, um sowohl Benutzer als auch Hersteller von einem Wechsel überzeugen zu können. Sonst wird es Fuchsia nicht schaffen, das Monopol aufrechtzuerhalten, welches mit Android erschaffen wurde

  • Sehe ich ähnlich, welchen Vorteil soll Fuchsia bringen außer das die Komponenten basierende Technik so genutzt werden kann, das man für OS Module zahlen sollen wird. Ich sehe derzeit keinen Grund Android in die Wüste zu schicken, es ist beliebt, jeder kann sich ein Android Gerät leisten, etc.

    • @Prov94
      Google geht so weiterem Ärger mit dem Java des Herrn Ellison aus dem Weg. Fuchsia wird wohl auch kein Opensource mehr sein (nach jetzigen Wissen). XDA samt LineageOS nerven Google und andere Hersteller nicht mehr mit AOSP und Quellcode.

      Es wird anscheinen nur der Unterbau getauscht, von daher ist der Normalnutzer nicht weiter betroffen. Also können die Geräte gerne weiter beliebt sein, und gekauft werden. Es wird wohl wie bei Apple ablaufen, wo IOS einmal komplett auf 64bit umgestellt wurde, und nur ältere Geräte von weiteren Updates abgehängt wurden, die eben nicht 64bit fähig waren.

  • In meinen Augen geht es hauptsächlich darum, die Linux Basis loszuwerden: ein stabiles Interface für Treiber würde endlich vernünftige und von Google gesteuerte Updates ermöglichen ohne auf die Unterstützung der Hardwarehersteller angewiesen zu sein, da einfach die alten Treiber weiter verwendet werden können. Das im Zuge dessen auch langfristig das Theater mit Java beendet werden kann – umso besser.

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