YouTube Premium: Für 2 Euro im Monat ist die Plattform komplett werbefrei – kann sich das für Google rechnen?

youtube 

In dieser Woche hat Google die neuen Plattformen YouTube Music und YouTube Premium vorgestellt und möchte damit erstmals auch die Nutzer in Europa für Inhalte und Zusatzfunktionen zur Kasse bitten. Rechnet man das Musik-Abo heraus, bekommt man als Nutzer für nur 2 Euro im Monat eine komplett werbefreie Videoplattform mit einigen weiteren Vorteilen. Aber kann sich das für Google überhaupt rechnen? Vielleicht ist das mit ein Grund für die neuen Monetarisierungs-Möglichkeiten.


Praktisch alle großen Plattformen werden auf irgendeine Art und Weise monetarisiert, wobei Werbung die derzeit noch mit Abstand beliebteste Methode ist und die Geldspeicher von Google, Facebook & Co. weiter füllt. Doch obwohl der Werbemarkt unglaublich lukrativ ist, gibt es längst eine Übersättigung und immer mehr Webseiten bieten eine optionale Gebühr gegen Werbefreiheit an. Auch YouTube setzt nun darauf und könnte trotz des sehr geringen Betrags den Umsatz sogar noch stark steigern.

youtube music

YouTube hat einige Jahre und mehrere Anläufe gebraucht, um einen Abo-Dienst zu starten, der auch außerhalb der USA angeboten wird und sowohl für die Nutzer als auch für die Plattform sehr attraktiv ist. Details zur langen Geschichte von YouTube Red, YouTube Plus und anderen Bezeichnungen findet ihr im verlinkten Artikel. Die neuen Wunderwaffen nennen sich YouTube Music, YouTube Music Premium und YouTube Premium und setzen auf folgendes Preismodell.

youtube premium preisliste

» Apple-Nutzer aufgepasst: Das YouTube Premium-Abo ist für Apple-Nutzer deutlich teurer «

YouTube setzt damit auf das gleiche Preismodell wie etwa Spotify und bietet den Nutzern den vollständigen Zugriff auf den Musikkatalog für 9,99 Euro pro Monat an. Wer das nicht zahlen möchte, kann alternativ auch kostenlos darauf zugreifen, bekommt aber keinen Zugriff auf die zusätzlichen Vorteile wie dem Download oder dem Abspielen im Hintergrund und muss auch mit gelegentlichen Werbespots rechnen. Da der Preis bei allen Anbietern exakt gleich ist, geht Google zumindest preislich nicht in Konkurrenz zu den anderen Anbietern.

Dennoch hat YouTube einige Trümpfe in der Hand und hat zukünftig das Potenzial, den Markt zu erobern. Das möglicherweise wichtigste Argument – nämlich „YouTube Premium“ – ist allerdings in vielen Ankündigungen untergegangen, kann aber zum Zugpferd der gesamten Videoplattform und des Musikangebotes werden.



Strategisches Stufen-Angebot
YouTube hat das eigene Preismodell sehr geschickt aufgestellt, denn das Premium-Angebot funktioniert in drei Stufen (siehe oben). Wer zu den 9,99 Euro für die Musik (die man ohnehin vielleicht schon bei Play Music, Spotify oder Apple gezahlt hat) noch einmal eine 2 Euro-Münze pro Monat oben drauf legt, wird auf der gesamten Videoplattform nie wieder einen Werbespot oder Werbebanner sehen. Das ist ein attraktives Angebot und allein die eingesparte Lebenszeit bei Werbespot vor einem Video, dürfte es das vielen Nutzern wert sein.

Die Strategen haben das Angebot nun geschickt aufgebaut, denn es ist nicht möglich, NUR die 2 Euro für eine werbefreie Plattform zu zahlen, sondern das Musik-Angebot kommt im Schlepptau und kostet gemeinsam 11,99 Euro – ob man es nun nutzt oder nicht. Das ist dann ein unschlagbares Argument gegen die Konkurrenz und könnte Google/YouTube auf lange Sicht hohe Marktanteile beim Musik-Streaming bescheren. Und die vielen Kommentare in dieser Woche zeigen, dass dieser Plan schon jetzt aufgeht.

2 Euro pro Monat sind ein Vermögen!
Doch kann sich die gesamte Werbefreiheit und der Betrieb der Plattform mit nur 2 Euro im Monat finanzieren lassen? JA! Es klingt wenig, aber wenn man bspw. einmal die Umsatzzahlen von Facebook ansieht, geht daraus hervor, dass das Social Network knapp 5 Euro pro Quartal und Nutzer verdient – YouTube hingegen würde damit auf 6 Euro pro Quartal kommen. Aber nicht nur der Umsatz pro Nutzer stützt das Angebot, sondern am Ende auch die Masse. YouTube hat 1,9 Milliarden Nutzer und wenn nur 1 Promille das Angebot verwendet, kassiert man gute 4 Millionen Euro pro Monat zusätzlich. Einen Teil davon muss man zwar an die Kanalbetreiber auszahlen, aber das ist ja längst nicht der einzige Verdienst.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass diese Nutzer ja nicht 2 Euro, sondern 12 Euro pro Monat zahlen. So kommen wir dann schon auf 24 Millionen pro Monat. Dass alle Nutzer so viel Musik hören, dass Google mit den 9,99 Euro Pauschale pro Monat nicht mehr auskommt, ist mehr als unwahrscheinlich. Am Ende subventionieren sich beide Angebote gegenseitig. Und die restlichen 99,9 Prozent sehen noch immer die Werbung und finanzieren die Plattform auf diese Weise. Laut aktuellen Zahlen verwenden nur etwa 5 Prozent der YouTube-Nutzer einen AdBlocker. Erst vor zwei Tagen wurden neue Monetarisierungs-Methoden für Kanalbetreiber eingeführt, mit denen auch diese etwas unabhängiger von der Werbung werden können.

Geht der Plan dann auf, wird YouTube langfristig zum wichtigsten Streamingdienst und bekommt natürlich auch eine ganz andere Verhandlungsposition gegenüber der Musikindustrie. Wie im Spotify-Killer Artikel bereits erwähnt, hat der schwedische Streamingdienst bis heute keinen Cent verdient und könnte früher oder später implodieren – was YouTube in eine noch stärkere Position bringen würde. Viel „würde“ und „hätte“, aber die Weichen sind gestellt – in die Zukunft blicken kann niemand.



youtube music werbung

Für Google dürfte es auch ein weiterer großer Testballon sein, mit dem ausgelotet werden soll, ob die Nutzer statt Werbung anzusehen lieber die Geldbörse öffnen. Schon seit längerer Zeit wird das Google Contributor-Programm betrieben, mit dem man sich von AdSense-Bannern freikaufen kann – wie erfolgreich das ist, ist allerdings nicht bekannt. Hat man bei YouTube aber erst einmal den richtigen Hebel gefunden, könnte er auch an anderer Stelle umgelegt werden.

Allerdings ist eine optional werbefreie YouTube-Plattform für Google ein zweischneidiges Schwert: Vielleicht verdient man am Ende mehr als vorher, gleichzeitig wird aber auch das eigene Werbegeschäft kannibalisiert, das insbesondere durch YouTube und die Websuche enorm populär ist und Google die Marktführerschaft sichert. Doch sollten sich nun wider Erwarten plötzlich Massen von Nutzern für eine werbefreie Plattform entscheiden, sinkt automatisch auch die Reichweite des Werbenetzwerks.

Ich denke, zu diesem Thema kann noch viel diskutiert werden und bin gespannt darauf, wie die Premium-Dienste von YouTube angenommen werden. Bei Erfolg wird es sich Google wohl nicht nehmen lassen, die Nutzerzahlen stolz zu verkünden.

Siehe auch


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comment 5 Kommentare zum Thema "YouTube Premium: Für 2 Euro im Monat ist die Plattform komplett werbefrei – kann sich das für Google rechnen?"

  • Es werden sicher einige das Angebot nutzen, bezüglich der werbefreien Videos. Da der Großteil der Konsumenten von Youtube aber Minderjährige sind, die halt auch entsprechend Zeit haben sich alles anzuschauen, bezweifle ich, dass viele das überhaupt in Anspruch nehmen können. Ich bin mal gespannt, wie sich das auf die Werbeeinnahmen auswirkt.

  • Funktioniert das eigentlich genau wie Spotify, das solange ich einen Premium Account habe ich im Ausland unbegrenzt Musik hören kann? Denn da YouTube Premium Musik noch nicht in allen Ländern verfügbar ist, wäre es ärgerlich wenn ich in bestimmten Urlaubsländern auf Musik verzichten muss.

    Ich habe zu diesem Sachverhalt bisher nirgends etwas rausfinden können.

  • An Musik habe ich kein Interesse. Daher ist das Angebot für mich uninteressant. Für eine Flat bzw ein Kontingent sonst kostenpflichtiger Movies etc hingegen würde ich zahlen.

  • Wie soll man denn dieses Artikel verstehen ? 2€ im Monat ? Woher kommt denn diese Zahl ? Es sind 11,99€ im Monat auf Android und 14,99€ aus iOS…

    2€ wäre ja noch in Ordnung …

    • Steht doch alles im Artikel 😉
      Musik kostet 9,99 Euro und für 11,99 Euro bekommst du Musik und Werbefrei. Ergo 2 Euro.
      Gilt natürlich nur für die Menschen, die ein Musik-Abo haben oder haben möchten, deswegen das im Artikel erwähnte Stufensystem.

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