Razzia wegen Steuerbetrug: Ermittler durchsuchen spanische Google-Niederlassung in Madrid

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Die Google-Mitarbeiter haben wieder einmal Besuch bekommen, allerdings einen der unangenehmen Art: Wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung haben spanische Ermittler die Google-Niederlassung Madrid durchsucht und Akten sichergestellt. Das Unternehmen gibt sich in einer Stellungnahme natürlich wieder unschuldig und betont, dass man sich an alle geltenden Gesetze hält und entsprechende Steuern zahlt.


So gut wie alle globalen Konzerne nutzen Schlupflöcher und Tricks um völlig legal Steuern zu sparen oder sich selbst arm zu rechnen. Auch Google ist dabei natürlich keine Ausnahme und verschiebt das Geld durch halb Europa um die einzelnen Tochtergesellschaften von den Steuerlasten der jeweiligen Länder zu befreien und das Geld in die Steuerparadiese zu verschieben.

google doodle tomatina

Die spanischen Behörden möchten sich diese Steuertricks nicht weiter ansehen und wollten nun Beweise sicher stellen, dass die ganze Angelegenheit nicht ganz so legal ist wie es das Unternehmen darstellt. Dazu wurde gestern eine Razzia in der Niederlassung in Madrid durchgeführt und wahrscheinlich auch jede Menge Akten und Daten sichergestellt. Google betont, dass man sich an alle Gesetze hält und eng mit den Behörden zusammen arbeitet um diese Vorwürfe aus der Welt zu schaffen.

Erst vor einem Monat wurde eine Razzia in der Pariser Niederlassung durchgeführt, die deutlich umfangreicher gewesen sein dürfte als die gestrige. Während in der französischen Hauptstadt mehr als 100 Beamte eingefallen sind, ist in spanischen Medien nur von einigen wenigen Ermittlern die Rede. Ob die Ermittler in Frankreich Hinweise für einen Steuerbetrug finden konnten ist allerdings nicht bekannt, so dass man wohl eher davon ausgehen muss dass nichts gefunden wurde.



Da sich viele europäische Länder die Machenschaften der Konzerne nicht weiter ansehen wollen, dürfte es wohl nicht die letzte Razzia gewesen sein: Auch in Großbritannien und Italien streitet Google seit Jahren mit den Steuerbehörden . Im Brexit-Land hat man zwar gerade erst eine Vereinbarung erzielen und die Gesamtschuld mit 170 Millionen Euro als Vergleich tilgen können, aber am eigentlichen Steuersystem hat man nichts geändert.

Noch einmal zur Wiederholung, so funktioniert Googles Steuertrick:

– Der Verkauf von Anzeigen in Frankreich läuft über Google Ireland Limited
– Daraus ergibt sich, dass Google France kaum einen Umsatz erwirtschaftet und wenig Steuern zahlen muss
– Ein Großteil des von Google Ireland Limited erwirtschaftete Geld wird an Google Ireland Holdings abgeführt, welches seinen Sitz auf den Bermudas (Steuerfreiheit) hat
– Da Google für diese Transaktion hohe Steuern zahlen müsste, nimmt das Geld einen weiteren Umweg über die Niederlande
– Google Ireland Limited zahlt das Geld an Google Netherlands Holding, dessen einzige Aufgabe es ist den Mittelsmann zu spielen
– Google Netherlands Holding überweist das Geld an Google Ireland Holdings (Sitz in den Bermudas) und dort bleibt es dann
– Da für die Transaktion von Bermudas -> USA wieder eine Steuer fällig wäre, wird das Geld einfach in den Bermudas steuerfrei geparkt

[Spiegel Online]



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