Ehemaliger Browser-Partner: Mozilla hat „keine Geschäftsbeziehung zu Google“ mehr

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Seit genau einem Jahr ist Google nicht mehr die Standardsuchmaschine im Firefox und wurde von Yahoo! abgelöst, was Google einige Nutzer gekostet hat, aber bei weitem keine katastrophalen Auswirkungen hatte. Mozilla ging damit damals ein sehr großes Risiko ein, da Google über Jahre hinweg der mit Abstand größte und wichtigste Geldgeber des gesamten Projekts gewesen ist. Mittlerweile ist die Beziehung aber soweit abgekühlt, dass man einfach nur kommentiert, dass aktuell „keine Geschäftsbeziehung“ besteht.


In den ersten Jahren sah die Partnerschaft zwischen Mozilla und Google wie eine Traumehe aus: Der Browser brachte Google viele Millionen Nutzer und Suchanfragen täglich und zementierte damit die immer weiter steigende Dominanz der Suchmaschine. Google hat im Gegenzug hohe Millionenbeträge an das Projekt gezahlt, dass praktisch ausschließlich vom Google-Geld gelebt hat. Mit diesem wurde nicht nur der Browser weiter entwickelt, sondern auch der Mail-Client, einige andere Projekte wie ein Smartphone-Betriebssystem und natürlich die gesamte Organisation am laufen gehalten.

Firefox vs. Chrome

Doch schon im Jahr 2008 gab es dann eine erste harte Probe für die Beziehung, denn Google hatte seinen eigenen Browser Chrome veröffentlicht und ging damit in direkte Konkurrenz zu Firefox. Doch das tat der Ehe in den ersten Jahren keinen Abbruch, bis dann der Google-Browser immer weiter abhob und dem Firefox in enormen Tempo Marktanteile abgeknabbert hat. Selbst als Chrome bereits der dominierende Browser war und den Firefox längst hinter sich gelassen hat, ging die Geschäftsbeziehung noch weiter und mutete vor allem von Außen etwas merkwürdig an. Mozilla sah sich daher nach neuen Geldgebern um, und hat diese gefunden.

Da Google längst nicht mehr darauf angewiesen war, die Standard-Suchmaschine im Firefox zu sein, und man wohl auch nicht ewig einen Konkurrenten finanzieren wollte – vor allem jetzt, wo dieser auch noch ein Smartphone-Betriebssystem entwickelt hat, musste die Beziehung enden. Mittlerweile ist Yahoo! die Standard-Suchmaschine in den USA und auch in vielen anderen Ländern wurden Google bereits durch lokale Anbieter abgelöst. In den Ländern in denen Google noch als Standard eingestellt ist, hat Mozilla bisher einfach nur noch keine neue Alternative gefunden – denn für diese Einstellung zahlt Google keinen Cent mehr. Die verlorenen Nutzer werden durch große Banner angesprochen und viele dürften wohl schon wieder zurück gewechselt haben.



Eine Mozilla-Sprecherin betonte, dass man „keine Geschäftsbeziehung zu Google“ habe, und das wird zumindest auf absehbare Zeit wohl auch so bleiben. Der Browser finanziert sich mittlerweile durch andere Suchanbieter und auch durch kleine Werbebanner – was bei den Nutzern allerdings weniger gut ankommt. Insgesamt beläuft sich der Finanzbedarf von Mozilla auf über 319 Millionen pro Jahr – doch angesichts der immer weiter bröckelnden Marktanteile könnte dies in Zukunft ein schwieriges Unterfangen werden.

[heise]



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