Datenschutz? Google durchsucht GMail automatisch nach Kinderpornografie

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Seit knapp 10 Jahren ist bekannt, dass Google alle eingehenden und ausgehenden Mails in von GMail scannt und nach potenziellen Keywords für die daneben stehenden Werbeanzeigen durchsucht. Während es Anfangs einen großen Aufschrei deswegen gegeben hat, ist dies in der heutigen Zeit für alle Nutzer schon selbstverständlich. Ein neuer Fall wirft nun aber wieder Fragen auf, wie viele Informationen Google aus den Mails ziehen kann und darf.


Seit der Einführung von Google Now werden Mails nicht mehr nur auf Keywords für die Spam-Erkennung und Werbung durchsucht, sondern auch nach Flugtickets, Tracking-Nummern für Pakete, Adress-Angaben und viele weitere Dinge. Da dies den Nutzern nur Vorteile bringt, dürfte sich kaum jemand darüber aufregen und eher die Annehmlichkeiten sehen. Jetzt hat Google durch eben diese Scanner aber auch eine Straftat aufgedeckt – und das aus eigener Initiative.

In Houston, USA wurde jetzt ein 41-jähriger Mann wegen dem Besitz von Kinderpornografie von der Polizei festgenommen. Die Behörden kamen dem Mann durch die Hilfe von Google auf die Spur, da dieser Mails mit einschlägigen Inhalten aus diesem Milieu in seinem GMail-Account gespeichert hatte. Google hatte den Mann aus freien Stücken bei den Behörden angezeigt, ohne dass diese das Unternehmen um Hilfe gebeten haben – und genau das wirft nun neue Fragen auf und führt zu großen Diskussionen.

Natürlich ist es erst einmal vorbildlich dass Google den Mann überführt und angezeigt hat – die Frage ist aber, woher das Unternehmen von diesen Inhalten Kenntnis erhalten hat. Google hat die Pflicht solche Inhalte zu melden, wenn es davon erfährt. Es gibt aber keine Pflicht nach diesen Inhalten zu scannen – dies dürfte also vollkommen automatisch geschehen sein. Auch wenn es sich um eine Straftat gehandelt hat, hat Google damit stark in die Persönlichkeitsrechte des Mannes eingegriffen.


Die Frage ist nun, nach wie vielen Kriterien Google die Mails und Anhänge seiner Nutzer noch scannt und welche Informationen zur weiteren Verarbeitung weitergegeben werden. In den Nutzungsbedingungen von GMail räumt sich Google durchaus das Recht ein, Mails zu scannen und „aus Sicherheitsgründen“ diese Scans zu vertiefen und gezielt nach Inhalten zu suchen. Wird aber nun jeder der das Wort „Bombe“ in einer Mail schreibt an die Behörden gemeldet? Das kann nach diesem Fall wohl niemand so genau beantworten.

Schon vor einigen Monaten hatte der populäre Blogger Michael Arrington schwere Vorwürfe gegen Google erhoben und dem Unternehmen vorgeworfen auf die eigenen Mails zugegriffen zu haben um an private Informationen zu gelangen. Ob dies tatsächlich der Wahrheit entspricht ist bis Heute nicht bekannt, durch den jetzigen Fall erscheinen solche Fälle aber wieder in einem ganz neuen Licht.

[futurezone]

UPDATE:
» Google äußert sich zum Kinderpornografie-Scan in GMail



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