Tchau Orkut: Google stellt sein erstes Social Network nach 10 Jahren ein

Orkut
Eines der ältesten und – in vielen Teilen der Welt – unbekanntesten Google-Services wird nun seinen Weg auf den ewigen Google-Friedhof finden. Ende September zieht Google seinem ersten Social Network Orkut den Stecker und stellt es wegen immer weiter gesunkenen Nutzerzahlen ein. Ohnehin wurde das Social Network schon immer sehr stiefmütterlich behandelt und hatte noch nie wirklich in Googles Strategie gepasst.


Die Entwicklung von Orkut begann bereits im Jahr 2003 als 20-Prozent-Projekt des Entwicklers Orkut Büyükkökten und wurde im Jahr 2004 als offizielles Google-Produkt Online gestellt – und das noch lange vor dem Boom der Social Networks. Orkut ging genau zwei Tage vor Facebook online, in einer Zeit als die großen Konkurrenten noch Myspace und Friendster hießen. Wirklich erfolgreich war Orkut aber nur in Brasilien, wo es bereits Ende 2004 mehrere Millionen Nutzer verzeichnen konnte.

Orkut

Als Reaktion auf den anhaltenden Erfolg von Orkut in Brasilien hatte Google das Projekt etwas ernster genommen und ein Entwickler-Team drumherum gebaut und viele lokale Versionen erstellt. Lange Zeit war zur Nutzung des Netzwerks eine Einladung notwendig – ein Konzept, dass schon bei vielen anderen Services, allen voran GMail eigentlich erfolgsversprechend gewesen ist. Nachdem Orkut im Jahr 2006 jede Menge Buzz in der Presse sammeln konnte, gingen die Nutzerzahlen tatsächlich durch die Decke – allerdings konnten diese nicht gehalten werden.

Google hatte das Projekt trotz der Boom-Phase nur sehr stiefmütterlich behandelt und hat ihm niemals die Aufmerksamkeit zu Teil werden lassen, die es vielleicht gebraucht hätte um sich langfristig zu etablieren. Eine Integration in verschiedene Google-Dienste hat es nur sehr vereinzelt gegeben – man hielt Social Media damals einfach nicht für wichtig genug. Und es wollte auch lange Zeit so gar nicht in die vielen Google-Dienste passen, das sozialste Medium war für Google immer das eigene GMail.


Als Google den Aufstieg Facebooks miterleben musste, hatte man trotz des eigenen Social Networks dem Projekt von Mark Zuckerberg nicht viel entgegen zu setzen. Im Jahr 2010 hat man dem eigenen Social Network ein großes Facelifting unterzogen und es noch einmal versucht in die erste Reihe zu pushen – aber auch dabei wurde es wieder nur von sehr wenigen Personen beachtet und Google hat das gesamte Projekt weiterhin mit fest angezogener Handbremse fortgeführt.

Spätestens seit dem Launch von Google+ vor drei Jahren war das Schicksal von Orkut eigentlich besiegelt, dank der starken Nutzerbasis in Brasilien und Indien hielt man es aber weiterhin am Leben – aber auch hier musste man in den vergangenen Jahren den Großteil der Nutzer an Facebook abgeben und ist in den einst starken Gebieten zum Nischenanbieter abgerutscht – damit war dem Projekt dann auch noch die letzte Grundlage genommen.


Schon Ende 2012 hat man Orkut und Google+ miteinander verbunden, aber auch dies brachte wohl keinem der beiden Networks einen nennenswerten Vorteil – aber schon damals dürfte die Entwicklung vollständig eingestellt gewesen sein. Statt Google+ und Orkut zusammenzuführen hat man sich einzig und allein auf Google+ konzentriert und das pinke Social Network fallen gelassen.

Hätte Google damals, im Jahr 2004, die Weitsicht bewiesen dass Social Networks eines der wichtigsten Elemente des Internets werden, könnten sowohl Orkut und Google heute in einer völlig anderen Position sein. Vielleicht hätte es Facebook dann niemals in der heutigen Form gegeben und Orkut wäre die dominierende Plattform – aber das ist natürlich nur eine reine Spekulation. Das Potenzial wäre auf jeden Fall dagewesen. Die Fehler von Heute muss Google bis Heute ausbaden…

Am 30. September ist Schluss
Orkut wird am 30. September in den Read-Only Modus versetzt und damit zur Geisterstadt – diese allerdings möchte Google dauerhaft im Web belassen und all den Content der Communitys archivieren. Neue Nutzer werden schon jetzt nicht mehr aufgenommen. Bis zum September 2016 haben nun alle Nutzer die Möglichkeit, ihre Daten via Google Takeout zu exportieren – wenn diese denn überhaupt von Orkuts Existenz wissen.

» Ankündigung im Orkut-Blog



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