Google entwickelt Browser

GBrowser

Inzwischen haben sich die Gerüchte mehr oder weniger bewahrheitet. Google selbst mahlen die Mühlen der großen Browserhersteller zu langsam und nun versucht man übers Hintertürchen in HTML 5 zu kommen.

Gears soll der Schlüssel werden. Seit Version 0.3 ist es nicht mehr nur eine Browsererweiterung die Online Anwendungen auch ohne Internet verfügbar macht, sondern eine Implementierung der Browsertechnik der Zukunft, die aktuellen Browsern wesentliche Teile von HTML 5 durch die Hintertür bringt.

Bei HTML 5 ist noch nicht alles ganz festgelegt. Daher versucht Google nun mit Gears die Entwicklung voran zu treiben. Gears unterstützt neben Windows, Linux und Mac auch Windows Mobile. In die Browser Firefox und Internet Explorer wird Gears als Erweiterung installiert. Mit Version 0.4 will man dann den Safari unterstützen. Opera arbeitet an der Implementierung von Gears in Opera.
Gears ist schon jetzt eine plattformübergreifende Webtechnologie.

Gears macht aber nicht nur Anwendungen wie Google Docs, Remember the milk oder den Reader offline nutzbar, nein es kann auch dazu eingesetzt werden, Anwendungen zu beschleunigen weil Daten nicht aus dem Internet geladen werden sondern von der Festplatte. Komplexe JavaScript-Programme laufen im Hintergrund ab. In Zukunft will man den Upload von mehreren Dateien ermöglichen und Nachrichten an den Desktop schicken lassen.

Dass Google die Software Gears nicht alleine entwickelt, soll das Löschen von Google aus dem Namen zeigen. Gears steht unter der Lizenz BSD und jeder kann am OpenSource Projekt mit wirken.

Jede API von Gears hat einen eigenen Namen, so dass es nicht mit anderen Browser APIs zu Verwechslungen kommt.

Derzeit gibt es vier APIs – weitere sollen mit 0.4 kommen.
LocalServer API
Diese API dient als Zwischenspeicher und setzt sich aus zwei Bereichen zusammen – ResourceStore und ManagedResourceStore – wird eine Webseite in einem der beiden Bereiche gespeichert, lädt der Browser die Webseite (online) nicht vollständig aus dem Internet sondern greift vor allem auf die offline Version zurück. Lediglich dynamische Inhalte werden neugeladen.
ManagedResourceStore aktualisiert die Dateien automatisch, ResourceStore nur auf explizite Anweisung. Beim Reader wird ResourceStore benutzt, Docs setzt zum Beispiel ManagedResourceStore.

Database API
Diese API speichert SQLite Datenbanken lokal und macht sie schnell dank Volltextsuche durchsuchbar. Database API wurde schon in HTML 5 eingebaut und soll in den kommenden Versionen noch weiter verbessert werden.
Diese API wird bspw. bei der Inbox von MySpace eingesetzt.

WorkerPool API
WorkerPool führt Java-Scripte im Hintergrund aus. Es ist egal wie komplex diese sind, Gears versucht den Browser nicht damit zu belasten. Einsatzmöglichkeit: Update von Datenbanken oder neue Daten eintragen.

Desktop API
Mit der Desktop API wird der Start von Anwendungen erleichter. Ein Icon auf dem Desktop, im Startmenü oder auch auf Handy macht das Öffnen sehr einfach.

Die folgenden APIs sind noch nicht in Gears eingebaut.

Notification API
Mit der Notification API soll es möglich sein, Termine und Mails direkt auf dem Desktop zu sehen. Für den Mac wird es diese API aber nicht geben. Hier will Google ein Projekt namens Growl unterstützen.

Blob API & Canvas API
Die Blob API soll mit Binärobjekten in JavaScripten umgehen können. Ein Blob ist zum Beispiel eine Bilddatei. Dieses Binärobjekt wird dann zum Beispiel von der Canvas API manipuliert. Der Befehl HttpRequest.send(blob) verschickt diese Datei dann nicht nur auf einmal sondern zeigt auch den Fortschritt an.

Neben den genannten APIs gibt es aber auch Ideen für weitere. Beispielsweise denkt man über eine Camera API nach. Diese soll den Einsatz von Webcams erlauben.

Eine weitere API ist die Geo Locations API. Diese soll den aktuelle Standort bestimmen und das Ergebnis auf einer Karte anzeigen. Mehr dazu hier im GWB.

In android wird Gears integriert sein und der Webkit Browser Webandwendungen offline verfügbar machen. Auch Opera 9.5 mobile kommt mit Gears klar. Nicht ganz so rosig ist es für die iPhone Nutzer: Apple hat im Safari auf dem iPhone keine Schnittstellen für Erweiterungen freigegeben. Entweder Apple integriert Gears selbst oder man gibt die benötigten Schnittstellen frei.

Die erste mobile Anwendung mit Gears ist Picasa Web Albums.

Derzeit plane man nicht Gears mit dem Firefox als Standard auszuliefern. So macht es Google bei der Toolbar. Stattdessen setzt man darauf, dass die Nutzer durch die neuen Möglichkeiten dazu gezwungen werden Gears zu installieren.

Diese kleine Erweiterung zeigt uns schon heute was die Browser von morgen können werden. Schon als Gears 0.1 Ende Mai 2007 veröffentlicht wurde, waren sich viele Entwickler sicher, dass das Potenzial von Google Gears, wie es damals noch hieß groß sei.

[Golem]

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comment ommentare zur “Google entwickelt Browser

  • Was wohl aus Firefox wird, wenn der größte Geldgeber von Mozilla seinen eigenen Browser entwickelt?

  • Der Google Browser, darauf haben wir alle gewartet.
    Somit perfektioniert Google sein Wissen über uns.
    Google wird genau wissen, wo wir uns rumtreiben, was wir tun, kann Emails lesen, und so weiter.
    Ich werde den GBrowser definitiv nicht nutzen!
    Aber danke für die Info 🙂

  • Ja das war echt eine Lücke die sie noch von Microsoft getrennt hat. Jetzt bekommt MS auch noch auf dem Gebiet heftige Konkurrenz. Allerdings sehe auch ich die Entwicklung ein bisschen kritisch da Google wirklich eine unglaubliche Macht bekommen wird. Trotzdem bin ich auf den Browser gespannt!

  • Danny hat vollkommen Recht, jede neue Entwicklung von Google ist ein Schritt hinein in unsere Privatsphäre. Abgesehen davon: Was will ich mit einem Browser, der nur dem Interesse einer Firma dient: Mit mir Geld zu machen? Nene, nix da Freunde.

  • Danny: Well, und jetzt? Jetzt weiß FireFox wohin du surfst, oder Microsoft? Gehts dir besser wenn 3 Firmen statt einer Firma deine Daten besitzen?

    Weißt du eigentlich, dass jeder Browser-Phishing-Filter quasi alle deine angesurften Seiten sieht und irgendwoanders serverseitig checkt? Und erst dein ISP, OMG!

    Marci: Nenn mir doch mal drei Entwicklungen die nicht Google sondern jemand anders aus der Branche gemacht hat, die NICHT deine Privatsphäre berühren? Alles was mit Menschen zutun hat, berührt Privatsphäre. Das ist der große Erfolg von Anwendungen, mit denen sich Personen vernetzen lassen.

    Just another „ahhhh, wir haben alle vor Google Angst weil vorher nie jemand sowas getan hat!“-Bash.

  • Danny: Worum gehts dir denn? Gerechte Machtverteilung unter allen Teilnehmern am Markt? Du hast Angst vor Google, weil es so groß ist und machst deswegen substanzlos Panik, das ist alles.

  • Ach ganz übersehen:
    Marci: Du willst den Google Browser boykottieren, weil es ein Produkt einer Firma istm, die damit Geld verdienen will? Wie kommst du an deine Nahrungsmittel und Alltagsgegenstände mit dieser Einstellung? Scary, aber ALLE Unternehmen wollen Geld verdienen. Ja, auch die Kirche, auch Non-Profit-Unternehmen, auch gemeinnützige Vereine. Auch dein Milchhersteller, auch das Betriebssystem was du benutzt (und dem du die meisten persönlichen Daten anvertraust).

    Ich sag mal: Bleibt mal realistisch und macht die Augen auf. Das ist alles nicht neu.

  • Also, der Artikel im Google Watchblog bezieht sich ja ausdrücklich auf meinen Artikel unter http://www.golem.de/0807/60946.html . Da steht aber nicht, Google habe bestätigt, einen eigenen Browser zu entwickeln, da steht eher das Gegenteil: „Doch Gears 0.3 ist mittlerweile viel mehr als eine Offlineerweiterung, es ist Googles Implementierung von Browsertechnik der nächsten Generation, die aktuellen Browsern wesentliche Teile von HTML 5 durch die Hintertür beibringt.“

    Ich finde nicht weniger spannend, was Google mit Gears macht, aber um einen eigenen Browser geht es nicht.

  • Jens: Nachdem ich den Golem-Artikel just vor 2 Minuten zufällig auch gefunden habe, war ich auch verwirrt… ging doch „nur“ um Gears… danke für das Licht ins Dunkel.

  • Wo bitteschön steht denn jetzt, dass Google einen eigenen Webbrowser entwickelt?
    In den Gears-Systemvoraussetzungen heisst es doch schön klar: man benötigt Firefox oder Internet Explorer.

    Soweit ich das verstanden habe, ist Gears nur eine Erweiterung, die Teile einer Applikation auf dem eigenen Rechner vorhält / ausführt und damit manche Sachen schneller laufen lässt (siehe den Artikel über das Gears-beschleunigte Admin-Interface von WordPress 2.6 hier im Blog).

    Ohne einen Gears-unabhängigen Browser kann man also nur einige extra dafür entwickelte Programme starten, die Überschrift „Google entwickelt Browser“ scheint da ein bisschen weit hergeholt oder?

  • @laZee: Ja, es kann einen großen Unterschied machen, ob sich Daten und (Markt-)Macht in der Hand eines Konzerns bündeln, oder auf mehrere/viele aufgeteilt sind.

    Würde es keinen Unterschied machen, wären z.B. die Kartellämter und Wettbewerbshüter überflüssig.

  • Naja, Google bzw. der GBrowser muss schon sehr viel mehr bieten, damit ich mich vom einzigen Browser-Gott Opera abwende!

  • @ Andreas F.: Wenn jedoch die Benutzer – von denen die meisten von Laien sind – von selbst eine Firma boykottieren da sie Angst vor zu großer Macht haben, die sogenannten „Kartellämter und Wettbewerbshüter“ jedoch weltweit nicht einschreiten, sind diese sowieso überflüssig.

    Meinst Du nicht?

  • Ach übrigens:

    Im ersten Video in der News, findet ihr nicht auch das der Kerl keine Ahnung hat? Der stottert da nur rum und liest alles ab..

  • @VBMichi(1): Nein, meine ich nicht. Ampeln sind auch nicht überflüssig, nur weil einige nicht immer rechtzeitig bei „Rot“ bremsen.

    Apropos: Woher weisst Du, dass Kartellämter, Wettbewerbshüter und Datenschützer staatlicher Stellen die Firma Google nicht schon längst unter die Lupe nehmen? Bei Microsoft u.a. hat es ja auch erstmal lange gedauert und dann gab es doch noch Monopolverfahren und Auflagen an/gegen die Firma.

  • ich freu mich auf den GBrowser.
    Allerdings weiß ich nicht was alle so an gears finden.. eigentlich bin ich auf dem weg von offline. Ich will alles online haben und mit wuala ist da jetzt wieder ein schritt getan.

  • Ich würde keinen GBrowser nutzen. Man sieht ja an dem Fall „YouTube“, was Google „freiwillig“ über uns sammelt. Ich habe wirklich was dagegen, wenn man mich zum gläsernen Surfer machen will.
    Google zieht das Geld aus der Analyse von Surfverhalten und der damit verbundenen (sehr zielgerichteten) Werbung … sowas würden sie sich niemals als Informationsquelle entgehen lassen.

    Aber nicht mit mir 😉

  • Prinzipiell natürlich eine gute Idee, aber wirklich bedenklich wo überall Google hineinschlüpft.

  • Sorry,
    das hier ist totaler Bullshit und irreführend. Die Überschrift hat überhaupt nix mit dem Artikel zu tun.
    Der Artikel dreht sich um das Browser-Plugin Gears, mit dem man u.a. HTML5-Funktionen in heutige Browser bringen kann.
    Das funktioniert auch in großen Teilen schon mit Firefox 3.

    Derart reißerisches Rumgelüge kann ich nicht ernst nehmen. googlewatchblog.de ist unseriös.

  • google ist gut und google ist auch manchmal zu monopolistisch. Bei einigen Dingen haben Anbieter manchmal den Verdacht, daß man weit absinkt, sobald man sich den Google Maßstäben widersetzt.

  • ..

    Zitat:
    Derzeit plane man nicht Gears mit dem Firefox als Standard auszuliefern. So macht es Google bei der Toolbar. Stattdessen setzt man darauf, dass die Nutzer durch die neuen Möglichkeiten dazu gezwungen werden Gears zu installieren.

    sagt leider einiges aus.

  • Da kommen wieder Tonnen an Sicherheitsproblemen auf uns zu.

    Und Seiten, wo ich auf Javascript angewiesen bin und die ich kaum frequentiere, sind für mich eh gestorben.

  • Diablo: Du verwendest bestimmt täglich kostenlose Google-Dienste, mit Sicherheit zumindest die Suche. Du siehst es als selbstverständlich an, dafür nichts zu bezahlen. Beschwerst dich aber, wenn zur Refinanzierung Werbung angezeigt wird, die nicht an deinen Interessen vorbeigeht?

    Manchmal frag ich mich, wie ihr euch das alle vorstellt.

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